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Lebe deinen Traum – Interview mit Fotograf Felix Mayr


„Seinen Traum leben“ – das will eigentlich jeder. Viele haben Angst, ihren Traum nie verwirklichen zu können, ob es ein Berufstraum ist, oder etwas, was man unbedingt in seinem Leben mal machen will. Wir haben einen Menschen interviewt, der seinen Traum lebt, der ihn verwirklicht hat. Es mag kein klassischer Traum wie Rockstar oder Schauspieler sein, aber er macht genau das, was er will. Die Rede ist von Felix Mayr, professioneller Fotograf. Wir trafen uns in Köln und stellten ihm ein paar Fragen. Was Felix dazu sagt, dass er seinen Traum lebt, und was ihr beachten müsst, damit ihr das auch könnt, erfahrt ihr jetzt.

Reflekt Magazin: Felix, du hast deinen Traum verwirklicht – erzähl unseren Lesern doch mal, was du genau machst!

Felix Mayr: Also ich bin selbstständiger Fotograf, selbstständig seit März 2012. Ich habe davor festangestellt 1,5 Jahre im Einzelhandel gearbeitet. Davor, also 2007 bis 2010, habe ich meine Ausbildung als Fotograf gemacht; ganz klassisch handwerklich. Dort hab ich auch meinen Gesellenbrief bekommen. Das Jahr davor, also genau nach meinem Abitur, habe ich dort ein Jahr Praktikum gemacht – rückwärts erzählt. Das heißt also, ich habe vier Jahre bei diesem Fotografen gearbeitet, danach war ich vier Monate arbeitslos, bis ich also die Stelle im Einzelhandel annahm. Auch wenn es eine sehr schöne Erfahrung war, war es mir von Anfang an klar, dass ein Beruf im Einzelhandel nicht mein Traumberuf sein wird. Beim freien Fotografen ging es mehr künstlerisch zu, während ich im Einzelhandel mehr Basis-Sachen machen musste, wie biometrische Passfotos, welche ich dann lustigerweise nicht machen konnte. Sowas hab ich bis dahin vorher noch nie gemacht, also wusste ich gar nicht, wie zum Beispiel die Aufteilung ist. Dann hab ich mir gedacht, dass ich das jetzt fünf Jahre mache, und dann weiter schaue, weil mir klar war, dass ich den Beruf nicht mein Leben lang behalte. Die Idee mich selbstständig zu machen hatte ich zwar nach der Ausbildung schon, ich bin aber letztendlich daran gescheitert, dass man, um in die Selbstständigkeit zu kommen, einfach wissen muss, welche Versicherung man zum Beispiel braucht, wie das mit den Steuern und und der Anmeldung läuft. Da hatte ich hat einfach keine Ahnung von und von zehn Leuten bekommt man zehn Meinungen, alle sagen etwas komplett anderes und das macht alles halt ein bisschen schwierig. Ich bin letzten Endes an meiner eigenen Unwissenheit an der Selbstständigkeit gescheitert, und so bin ich dann erstmal in eine Festanstellung gegangen.

Reflekt Magazin: Wie bist du genau zu diesen Traum gekommen?

Felix Mayr: Als ich 15 war, wollte ich natürlich Rockmusiker werden, wie eigentlich jeder, der Musik macht, und irgendwann mal in einer Band gespielt hat. Aber die wirkliche Idee, eine musikalische Karriere zu machen, hatte ich nicht so wirklich, da gab es immer eine gewisse Skepsis, von wegen: Klappt das? Kann man das mitmachen? Ich habe zwar bei ein paar Projekten mitgemacht, wo wir ein bisschen Geld gemacht haben, aber es war nie das wirklich große Ding, weswegen ich auch Musiker als Traum rausgeschmissen hab. Das mit der Fotografie kam bei mir durch einen Unfall bzw. Zufall. Ich hatte vorher mit Fotografie eigentlich nie was am Hut. Ich war schon immer sehr technikbegeistert, und wollte unbedingt einen Beamer haben und diese waren damals nun mal schweinemäßig teuer. Ich dachte mir dann, dass ich mir was basteln kann und damals gab es ein Projekt namens „Volksbeamer“.

Da nahm man ein kleines Display, das so groß war wie ein Dia und daraus baute man sich halt einen eigenen Projektor. Als Schüler hat man ja nicht das größte Budget, also habe ich auf eBay geguckt und eine kaputte Digitalkamera bestellt. Die Kamera kam dann in Einzelteilen an und ich dachte mir, dass ich sie, bevor ich sie komplett kaputt mache, einfach mal versuche zu reparieren. Ich hab mich dann 1-2 Stunden hingesetzt und gemerkt, dass die Kamera eigentlich gar nicht kaputt, sondern dass das Objektiv einfach rausgefallen war. Ich hab es dann wieder eingehängt und hatte nach etwa einer Stunde diese Kamera wieder zum Laufen gebracht und sie funktionierte. Ich wollte sie dann nicht wieder kaputt machen.

Ich hab sie in die Jackentasche getan und irgendwie immer dabei gehabt – in der Schule, auf Partys, immer und überall. Ich hab dann immer einfach spaßeshalber die Kamera rausgeholt und Fotos gemacht. Je mehr ich mich mit Fotografie beschäftigt habe, desto mehr Spaß hat mir das gemacht.

Ich setzte mich dann immer mehr mit der Materie auseinander, ich sah dann zum Beispiel in Zeitungen Pressefotos und was man da so sah, hat mich bei meinen Fotos halt genervt, beispielsweise, dass der Vordergrund scharf war und der Hintergrund nicht – Warum konnte meine Kamera das nicht? Ich hatte halt kein Geld und ich überlegte mir, wie ich das schaffe, ohne Geld die Bildqualität zu verändern. Ich habe dann meinem Vater die alte Analogkamera geklaut und rumprobiert. Ich hatte dann auch nicht mehr eine Kamera in der Jackentasche, sondern einen etwa Schuhkarton großen Kasten dabei.

2005 passierte dann etwas, was meine Karriere sehr geprägt hat. 2005 war ja Bundestagswahl und ein Freund und ich haben uns einfach auf der CDU Wahlkampfveranstaltung positioniert. Wir standen dann vor dem Zelt und machten Fotos. Das Interessante war, dass der Pressebetreuer der CDU auf uns zu kam, uns kommentarlos Presseausweise für die Veranstaltung über den Hals hängte, und uns reingebeten hat. Wir haben nicht einmal gefragt… Und auf einmal standen wir ganz vorne mit den ganzen Pressefotografen (welche uns dann auch noch komisch beäugt haben, weil wir die einzigen Deppen mit Analogkameras waren)! Dann haben wir uns selber den Anspruch gesetzt, so unmögliche Fotos wie möglich zu machen, also wo dann zum Beispiel verzerrt in die Kamera geschaut wird.

Da merkte ich dann: Eine Kamera ist ein Türöffner! Und damit ist mir klar geworden, dass eine Kamera einem viele Möglichkeiten bieten kann.

Ich fotografierte dann auf Partys und Veranstaltungen und auf das Abitur zugehend dachte ich mir, was ich wohl machen soll, ob ich wirklich was mit Fotografie machen soll. Meine Mutter meinte dann ich soll mal zu dem Fotografen „den Berg runter“ gehen und dieser Fotograf den Berg runter war dann einer der größten Portraitfotografen Europas, Manfred Esser.

Ich dachte mir dann, dass wenn ich da auftauche, der mich direkt wieder rausschmeißt, aber wenn ich nicht hingehe, ich direkt verloren habe, also ging ich hin und sagte „Hallo, ich bin der Felix, ich will Fotograf werden“.

Er meinte dann, ich soll erstmal ein Praktikum bei ihm machen. So bin ich dann in den Job reingekommen.

In die Fotografie verliebt man sich nicht vorher, man verliebt sich währenddessen!

Während des Praktikums bin ich also auf diese Liebe gestoßen.

Reflekt Magazin: Wer hat Dir dabei geholfen?

Felix Mayr: Viele Leute! In vorderster Front meine Eltern, weil die mich nicht davon abgehalten haben! In einer Akademikerfamilie hätte es ja dieses Klischee sein können: „Kind, mach was Anständiges, studiere!“ Aber meine Eltern haben gesagt, wenn ich was machen will, soll ich es machen und sie haben mich dabei auch unterstützt, auch finanziell. Als nächstes mein Freund Luca Oltenau und lustigerweise auch sein Vater, weil der – selber Fotograf – mir gerne mal Sachen, wie sein Profiequipment, ausgeliehen hat. Dann natürlich auch mein Ausbilder und meine Kollegen – die haben mich unglaublich unterstützt! Die Leute, die ich immer wieder mit Bildern versorgt hab und die sich geduldig haben fotografieren lassen, obwohl ich halt grottenschlecht war, und die es ausgehalten haben, dass ich immer eine Kamera dabei hatte.

Reflekt Magazin: War der Weg schwer?

Felix Mayr: Schwierig zu sagen, schwer ist nur das, was Dir nicht leicht fällt, und leicht fallen Dir nur Dinge, auf die Du Bock hast. Motivation kommt von Lust. Ich sehe heute, dass sich einige unglaublich schwer tun, in den Bereich reinzukommen, aber man muss sich dafür interessieren, sich damit auseinandersetzen, dafür brennen, sonst wird das nichts. Ich brenne völlig für meinen Job, ich brenne völlig für das Fotografieren. Ich brenne nicht völlig für die Fotografie, dass ich jedes Wochenende in Ausstellungen gehe und mir Fotos von anderen Leuten angucke, für diese Art der Fotografie brenne ich nicht, im Sinne von Konsumieren, aber ich brenne für das Handwerk. Es gab natürlich Dinge, die mir nicht leicht gefallen sind, aber schwer war es insgesamt gerade deshalb nicht.

Reflekt Magazin: Glaubst du, jeder kann das?

Felix Mayr: Können, vom Potenzial her, ja. Jeder kann seinen Traum verwirklichen. Aber auf die Frage, ob jeder seinen Traum verwirklichen kann, glaube ich, dass es tatsächlich nicht jeder kann, im Sinne des Durchhaltevermögens.

Reflekt Magazin: Was für Tipps hast Du für Leute, die ihren Traum verwirklichen wollen?

Felix Mayr: Bock drauf haben. Eine kritische Auseinandersetzung ist eine ganz wichtige Sache, erst recht mit sich selber. Ich hatte viele in der Ausbildung, die sich für die Besten gehalten und gedacht haben, dass sie, nur weil sie eine dicke Kamera haben, die völligen Starfotografen sind, aber das führt nirgendwo hin.

Man muss Ehrgeiz haben und besser werden wollen, aber sich nicht demotivieren lassen, sondern es als Kritik zur Weiterbildung nehmen.

Reflekt Magazin: Gibt es Träume, von denen Du sagst, dass man die lieber fallen lassen sollte?

Felix Mayr: Man soll nie seine Träume aufgeben! Natürlich würde jetzt auch jemand sagen, man soll nie seine Träume verwirklichen, weil, wenn man seine Träume verwirklicht hat, sind es keine Träume mehr, und der Mensch muss Träume haben. Die Tatsache, dass ich Fotograf bin, würde ich nicht damit gleichsetzen, dass ich meinen Traum erreicht habe, denn mein Traum ist ja nie zuende, ich lebe ja noch. Auf der anderen Seite ist es so, dass Fotograf nie mein Traumberuf war, sondern er ist es geworden und das ist ein ganz wichtiges Ding, denn somit ist mein Traum, die Entwicklung des Ganzen zu sehen und zu schauen, wo es mich hintreibt.

Ich bin nicht reich, aber auch nicht arm, ich bin nicht populär, aber ich habe Spaß und ich mache was völlig anderes, als ich vorher gedacht hätte.

Reflekt Magazin: Bist du im Großen und Ganzen glücklich?

Felix Mayr: Absolut und 100%.

Reflekt Magazin: Eine wirklich außergewöhnliche und besondere Persönlichkeit, dieser Felix Mayr. Vielen Dank für dieses spannende Interview. Hier geht’s zu Felix‘ offizieller Website: http://www.felixmayr.de/

 

Autor: Lucas Kulczycki

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