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Presseschau 14.06.2015


Heute startet die Presseschau des Reflekt Magazin. In der Presseschau, die jeden Sonntagmorgen erscheint, wird ein Überblick über die Berichterstattung verschiedener deutscher Zeitungen und Onlineredaktionen über das beherrschende Thema der Woche gegeben.

In der ersten Presseschau geht es um den Abschied vom Bundestagsfraktions-Chef der Linken Gregor Gysi. Er hatte vergangene Woche auf dem Parteitag in Bielefeld verkündigt, bei der Wahl des Vorsitzenden im Herbst nicht erneut kandidieren zu wollen. Gysi führt die Bundestagsfraktion der Linkspartei seit 2005.

Die FRANKFURTER RUNDSCHAU meint dazu: „Konkretes Handeln und Kompromiss mit großen Zielen zu verbinden – das ist das Credo, das niemand weit und breit so eingängig zu verkünden vermag wie Gregor Gysi. Genau das aber bräuchte die Linkspartei auch weiter, und zwar nicht nur im eigenen Interesse. Sie braucht es auch deshalb, weil ihr in Zeiten großkoalitionärer Weltverwaltung eine Verantwortung für die ganze Gesellschaft zugewachsen ist. Es ist die Linke, die dafür sorgen muss, dass überhaupt noch über Ziele und Alternativmodelle jenseits des Bestehenden gestritten wird. Das sollten sich übrigens auch jene wünschen, die für die Linkspartei inhaltlich nichts oder wenig übrig haben“, kommentiert die FRANKFURTER RUNDSCHAU.

Die WELT ist zufrieden mit dem Abgang Gysis. „Zum Abschied nur Lob. Gregor Gysi ist ja auch ein begabter Politiker. Doch hat er Großes für das Land geleistet? Gysi ist ein Blender, dem es gelang, vom Charakter der Linkspartei abzulenken. Er gehörte zum Establishment und er hakte sich bei denen unter, die sich nach dem Ende des Sowjetimperiums als die Erniedrigten der neueren Geschichte verstehen. Er war der elegante Tänzer, der zwischen beiden Welten stand und nach beiden Seiten die Hand ausstreckte. Das konnte nur er, der Narziss“, meint DIE WELT.

Die Wochenzeitung DIE ZEIT bezweifelt, dass die Linke regierungsbereit ist: „Seit fast zwei Jahren ist die Linke stärkste Oppositionspartei im Bundestag. Sie liegt in Umfragen ungefähr gleichauf mit den Grünen, hat bei den letzten Landtagswahlen gut abgeschnitten und stellt jetzt mit Bodo Ramelow sogar einen Ministerpräsidenten, der geräuschlos regiert. Die Bilanz ist also nicht schlecht, nur beim Ziel, die Partei in die Nähe der Macht zu bewegen, ist Gysi in den vergangenen Monaten keinen Millimeter weitergekommen. Eine gute Opposition ist eine Regierung im Wartestand, heißt es. Bei der Linken gilt das bisher nicht“, gibt die ZEIT zu bedenken.

Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG kommentiert den Abschied so: „Gysi ist eine Persönlichkeit wie sie selten geworden ist in der Politik, daran ändert auch die Tatsache nichts, dass er jahrelange Stasi-Vorwürfe gegen seine Person nie hat abschütteln können. Tritt er jetzt in die zweite Reihe zurück, dürfte die Linksfraktion wieder unberechenbarer werden und der Alltag im Bundestag langweiliger. Sie muss die Angst vor dem Kompromiss hinter sich lassen, raus aus der Nische der verhuschten Opposition. Und sie muss den Willen entwickeln, die Dinge verändern zu wollen, auch regieren zu wollen, selbst wenn das ohne Schwierigkeiten nicht geht. Ein Plädoyer für mehr Selbstbewusstsein war das. Gysi wird seinen Leuten fehlen. Mit dem Auszug aus der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG endet die Presseschau.

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