Strahlung? Nehmen Sie doch einfach Jodtabletten!

Zuerst erschienen: 02.12.2017 in: „Besserwisser“ – Schülerzeitung am Städtischen Hölderlin Gymnasium Köln-Mülheim; www.besserwisser-shg.jimdo.com

1. September 2017, Aachen – Eine Welle der Empörung macht sich in Deutschland breit. Aufgrund der Gefahr durch das belgische Kernkraftwerk Tihange werden im grenznahen Aachen und Umgebung nun vorsorglich Kaliumiodtabletten an die Bevölkerung verteilt. Doch wie groß ist die Gefahr wirklich und bringen die getroffenen Maßnahmen überhaupt etwas?

Bereits seit längerer Zeit wird das aus drei Blöcken bestehende Kraftwerk Tihange kritisiert. Insbesondere die Reaktoren eins und zwei seien bemängelt worden, wobei letzterer aufgrund von Haarrissen am Reaktorbehälter erst 2016 wieder hochgefahren wurde und ersterer bereits 40 Jahre alt sei.¹ Doch nicht nur die Risse sondern auch andere Defekte tragen zur Unsicherheit des Kraftwerks bei. So wurde Tihange eins erst im September wegen eines Defekts zeitweilig abgestellt.² Experte für Reaktorsicherheit Hans-Josef Allelein beteuert jedoch in einem Interview mit der Neuen Westfälischen:

„Mich beunruhigen die Zustände der Reaktoren konkret nicht“.

Vielmehr halte er die Panikmache für falsch.³ Trotzdem wurde entschieden etwas zu unternehmen.

„Über ein Onlineportal kann ein so genannter Bezugsschein beantragt werden, mit dem man bei allen teilnehmenden Apotheken in der Region kostenfrei für den jeweiligen Haushalt Jodtabletten abholen kann“,

so heißt es in der Pressemitteilung der Stadt Aachen. Dies gelte allerdings nur für Menschen unter 45 Jahren, da die Tabletten sonst ein zu hohes Gesundheitsrisiko darstellen würden.⁴ Viele haben sich jetzt vielleicht sicherer gefühlt doch letztlich bleibt die Frage, wie wirksam die „Jodtabletten“ überhaupt im Ernstfall sind. Für diesen haben die betroffenen Kreise nämlich extra eine Informationsbroschüre heraus-gegeben, welche zwar die Gegebenheiten und Maßnahmen sowie den Umgang damit erläutert, jedoch auch wortwörtlich besagt:

„Jodtabletten schützen vorübergehend gegen freigesetztes radioaktives Jod. Es können aber weitere radioaktive Stoffe wie Cäsium oder Stron-tium freigesetzt werden, die schwere Erkrankungen (z.B. Krebs und Leukämie) verursachen können. Die Einnahme von Jodtabletten schützt nicht gegen diese Substanzen und mögliche Folgeschäden“.⁵

Sollte es also zu einem Unfall kommen, bleibt für das ca. 65 km entfernte Aachen und seine Umgebung nur das Beste zu hoffen. Wie es mit dem Atomkraftwerk weitergeht – insbesondere im Anbetracht des für 2025 geplanten Atomausstiegs¹ – bleibt abzuwarten.

Quellen:

¹http://www.zeit.de/amp/gesellschaft/zeitgeschehen/2017-08/kernkraftwerk-tihange-aachen-jodtabletten-vorbereitung-ernstfall#top (Stand: 19.11.2017)

²http://www.aachener-zeitung.de/mobile/dossier/tihange/tihange-reaktor-bleibt-bis-30-november-abgeschaltet-1.1718024?redir=checkmobile (Stand: 19.11.2017)

³http://www.nw.de/nachrichten/regionale_politik/21903401_Das-ist-Panikmache-So-schaetzt-ein-Reaktorexperte-die-Angst-vor-einer-Atomkatastrophe-in-Belgien-ein.html (Stand: 19.11.2017

http://www.aachen.de/DE/stadt_buerger/politik_verwaltung/pressemitteilungen/jodtabletten.html (Stand: 19.11.2017

http://www.aachen.de/images/archiv_pressemitteilungen_2016/info_tihange.pdf (Stand: 19.11.2017)

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